Ländliche Entwicklung gemeinsam weiterdenken
Beim bundesweiten LEADER-Treffen am 10. und 11. Juni 2026 in Lüneburg kamen rund 250 LEADER-Akteurinnen und -Akteure aus ganz Deutschland zusammen, um zentrale Fragen der künftigen ländlichen Entwicklung zu diskutieren. Im Fokus stand insbesondere die Ausgestaltung der kommenden EU-Förderperiode ab 2028 und die Rolle von LEADER in einem sich wandelnden politischen und finanziellen Umfeld.
Ein besonderer Programmpunkt waren die Exkursionen in fünf LEADER-Regionen rund um Lüneburg. Sie boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, erfolgreiche Projekte und innovative Ansätze direkt vor Ort kennenzulernen. Das Regionalmanagement nahm an der Exkursion in die LEADER-Region Elbtalaue teil. Bei dieser wurde deutlich, wie breit das Spektrum ländlicher Entwicklung ist – von regionaler Nahversorgung über naturnahen Tourismus bis hin zu digital gestützter Landwirtschaft.
In Wendisch Evern stand die „Vorratskammer Wendisch Evern – total lokal“ im Mittelpunkt. Sieben Dorfbewohnerinnen und -bewohner haben sich zusammengeschlossen, um den Zugang zu regionalen und biologischen Lebensmitteln zu erleichtern, die Nahversorgung zu sichern und zugleich das Gemeinschaftsgefühl im Ort zu stärken. Mitglieder können sich dort rund um die Uhr mit Waren des täglichen Bedarfs versorgen. Ein weiteres Beispiel war das Angebot von Albia Kanu im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Das Unternehmen ermöglicht es, die Natur- und Kulturlandschaft vom Wasser aus zu erleben und dabei Tierarten wie Seeadler, Eisvogel oder Biber in ihrem Lebensraum zu beobachten. Ergänzt wurde die Exkursion durch Einblicke in ein innovatives landwirtschaftliches Projekt: Mithilfe einer Drohne und Künstlicher Intelligenz (KI) werden Unkräuter auf Feldern zentimetergenau erfasst, sodass Pflanzenschutzmittel gezielter und sparsamer eingesetzt werden können.
Die Zukunft von LEADER und der ländlichen Entwicklung ab 2028 waren zentrale Themen des Treffens in Lüneburg. Anlass sind die Vorschläge der Europäischen Kommission für den künftigen EU-Haushalt, die die ländliche Entwicklung und LEADER vor neue Unsicherheiten stellen. Diskutiert wurden vor allem die fehlende Festlegung eines zweckgebundenen Mindestbudgets, eine mögliche geringere EU-Kofinanzierung sowie die Frage, wie LEADER künftig im Fördersystem verortet wird. Ländliche Räume könnten ohne eine verlässliche finanzielle Ausstattung weiter unter Druck geraten. Einigkeit bestand darin, dass LEADER als bewährtes Instrument der regionalen Entwicklung mit dem Bottom-up-Ansatz auch künftig eine starke Rolle spielen muss. Dafür braucht es klare politische Unterstützung auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene sowie ein stärkeres Bewusstsein dafür, welche Folgen ein Wegfall oder eine Schwächung des Programms für Ehrenamt, Daseinsvorsorge und lokale Entwicklung in ländlichen Regionen hätte.
In Initiative der Hessischen Regionalforen (HRF) wurde ein gemeinsames Positionspapier aller hessischer LEADER-Regionen erarbeitet, um politische Gremien für die Notwendigkeit der Fortführung des LEADER-Programms zu sensibilisieren und für die erforderliche inhaltliche Ausgestaltung der neuen Förderperiode ab 2028 zu werben.
Fotos: DVS und LAG Darmstadt-Dieburg